Es ist wie ein Eintauchen in die Vergangenheit.
Es war der 5. Mai 1945. Das gesamte Berchtesgadener Land war eigentlich schon gefallen und amerikanische sowie französische Soldaten hatten auch die sogenannte Alpenfestung in Berchtesgaden eingenommen. Dennoch gab es einen Ort, an dem nochmals versucht wurde, zu kämpfen.
In Schneizelreuth, zwischen Bad Reichenhall und Lofer, hatten sich Wehrmachtssoldaten, gezwungen von fanatischen SS- und SA-Soldaten, verschanzt und die anrückenden Soldaten aus Frankreich und den USA bekämpft. Dabei wurde ein französischer Soldat getötet, ebenso zwei Wehrmachtssoldaten. Man hatte entlang der Weißbachschlucht drei Brücken gesprengt, um das Durchkommen der alliierten Soldaten zu stoppen. Was jedoch nicht gelang. So fand das letzte heftige Gefecht in der kleinen Gemeinde Schneizelreuth statt.
Die Brücke der wichtigen Verbindungsstraße von Lofer nach Bad Reichenhall und auch über das Wachterl nach Berchtesgaden wurde entweder nicht gesprengt oder die Soldaten schafften es nicht mehr.
Nun, 81 Jahre nach diesem schrecklichen Krieg, der die ganze Welt ins Unglück stürzte und Millionen Tote forderte, kehrt diese letzte Schlacht zurück.
An der Stelle, wo die B21 über den Weißbach führt, muss die noch aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs stammende Brücke erneuert werden. Dazu wird parallel zur jetzigen Brücke eine neue errichtet, die dann auch den Einmündungsbereich der Strecke über den Weinkaser hinüber nach Weißbach und in den Landkreis Traunstein neu gestaltet.
Doch bevor die eigentlichen Bauarbeiten beginnen konnten, mussten zwei Phasen der Baugrunderkundung durchgeführt werden.
Üblicherweise werden zunächst Luftbilder aus dem Zweiten Weltkrieg ausgewertet und Historiker beauftragt, Erkundungen durchzuführen. Dabei wurden mögliche Gefahrenpunkte festgestellt und die Tatsache berücksichtigt, dass genau um dieses Bauwerk die letzten heftigen Gefechte stattfanden. Deshalb wurde in der zweiten Phase eine Firma aus Traunstein beauftragt, die auf die Ortung und das Auffinden von Kriegsrelikten spezialisiert ist.
Mithilfe von Sonden wird dabei systematisch das gesamte Bauareal abgescannt und abgesucht.
Die Technik ermöglicht das Lokalisieren von möglichen Militärgütern in einer Tiefe von 2,5 Metern.
Allerdings finden sie meistens sehr viel Schrott, wie alte landwirtschaftliche Überreste, anderer Metallschrott, Nägel, Schrauben und Bleche, also alles Dinge, die sich heutzutage auf den Äckern und Feldern befinden. Bis heute hat man in Schneizelreuth bei der Suche keine gefährlichen Gegenstände gefunden, was jedoch nicht auszuschließen ist, da es sich um den Ort der letzten heftigen Kampfhandlungen des Zweiten Weltkrieges in Bayern handelt.
Der Brückenneubau soll bis Juli 2027 abgeschlossen sein, der Straßenneubau soll einige Monate länger dauern. So will man die hochfrequentierte Strecke, das kleine Deutsche Eck, im Rahmen der umfangreichen Sanierung verkehrstüchtiger gestalten.
