Um 03:15 Uhr ereignete sich auf der Autobahn Salzburg–München kurz nach der Anschlussstelle Neukirchen ein spektakulärer Lkw-Unfall, der die Einsatzkräfte forderte.
Als wir alarmiert wurden, hieß es, ein Sattelzug sei von der Autobahn abgekommen und gestürzt. Wir dachten uns schon: Hoffentlich nicht wieder einer mit Hunderten Litern Treibstoff, die dann in den angrenzenden Bach fließen. Erst im letzten Jahr kämpften die Einsatzkräfte bei zwei solchen Lkw-Unfällen in diesem Abschnitt genau mit diesem Problem.
Umweltalarm und verseuchtes Erdreich, ein Bach, der über mehrere Kilometer weit mittels Ölsperren von seiner giftigen Last befreit werden musste.
So der Einsatzleiter der Feuerwehr, aber auch die Autobahnbediensteten hatten eine Vorahnung.
Doch am heutigen Tag sollte es für die Einsatzkräfte eine Premiere werden, denn es war alles anders als gedacht.
Ein 38-jähriger bosnischer Staatsbürger war mit dem vollelektrischen Actros LKW seiner Firma aus bislang ungeklärter Ursache nach rechts von der Fahrbahn abgekommen. Das schwere Fahrzeug fuhr auf eine ansteigende Leitschiene auf, die wie eine Sprungschanze für Stuntmen fungierte.
Solche ansteigenden Rampen baut man doch bei Stunts, wenn sich ein Fahrzeug überschlagen oder spektakulär umstürzen soll. Der rund 28 Tonnen schwere Sattelzug (samt Ladung) flog regelrecht auf die rechte Seite und landete unterhalb der Autobahn auf dem angrenzenden Feld.
Für die Retter war es nun aber eine besondere Herausforderung, denn sie stellten bei ihrem Eintreffen fest, dass es sich um einen vollelektrischen LKW handelte, der da verunglückte. Noch nie hatten die Feuerwehren der Region, die Autobahnmeisterei Siegsdorf, die Autobahnpolizei und das alarmierte Abschleppunternehmen einen solchen LKW gesehen.
Wir haben die Fahrzeugkarte ausgelesen und festgestellt, was zu tun war. Die Akkus, die am Fahrzeugboden des LKWs montiert waren, zeigten keine sichtbaren Beschädigungen. Im Fahrzeuginneren konnten wir den Fahrer über die Steckleiter befreien. Er war angegurtet und nur leicht verletzt. Er wurde vorsorglich ins Krankenhaus gebracht.
Wir lösten die Sicherung aus, die sich im Führerhaus befand, und stellten vorab den Brandschutz sicher. Da jedoch keine erhöhte Temperatur gemessen wurde, war alles gefahrlos.
Ein enormer Pluspunkt, gerade in diesem Gebiet, denn es bestand keine Umweltgefährdung durch auslaufende Betriebsstoffe.
Zur Bergung der Ladung musste dann Mann- und Frauenpower antreten, denn der LKW hatte rund 11 Tonnen Ladung, darunter Waren für einen Supermarkt, wie Tiefkühlware und Gartenzubehör, die alle händisch entladen werden mussten.
Gleichzeitig begann das Abschleppunternehmen damit, die Bergung des Schwerfahrzeugs vorzubereiten und die geborgene Ladung auf die Autobahn zu heben.
Die Autobahn war ab 6.30 Uhr in Richtung München komplett gesperrt und der Verkehr wurde über die Umleitungsstrecke U6 von Neukirchen bis nach Siegsdorf umgeleitet. In den Radiosendern, auch in den österreichischen, wurde permanent über die Sperrung informiert und empfohlen, großräumig auszuweichen. So wichen viele über Freilassing aus und fuhren über Traunstein. Dadurch waren alle Umleitungsstrecken enorm belastet.
Kurz nach 7 Uhr ereignete sich bereits ein Frontalcrash auf der U6 bei Neukirchen, weshalb die Feuerwehr Vogling ausrückte, um den Verkehr zu regeln.
An fast derselben Stelle hatte im Jahr 2024 die bayerische Landwirtschaftsministerin einen Unfall, bei dem eine Pkw-Lenkerin ihr Leben verlor.
Die Bergung des LKW stellte das Abschleppunternehmen vor eine Herausforderung, da der eigene Kran das schwere Zugfahrzeug nicht aus dem Feld zurück auf die Autobahn heben konnte. Daher wurde ein 120-Tonnen-Kran angefordert, der zusammen mit dem 40-Tonnen-Kran des Abschleppunternehmens das zuvor aufgestellte Fahrzeug heraushob. Erst kurz nach 14 Uhr konnte die Autobahn wieder für den Verkehr freigegeben werden.
Zwischenzeitlich hatte die Autobahnmeisterei Siegsdorf mit neun Mitarbeitern die Verkehrsleitung organisiert. Zudem wurde die provisorische Reparatur des Wildschutzzaunes und die Reinigung der Autobahn durchgeführt.
Da es während des gesamten Einsatzes immer wieder stark regnete, schneite und windete, wurde es für die Einsatzkräfte zusätzlich ziemlich anstrengend.
