Wenn über die Hälfte aller ausgewerteten Tageszeitungen schlechter als 50 % sind, ist das beängstigend – eine seit Jahren unbefriedigende Situation.
Aber warum nennen Redaktionen so selten die Fotografen*innen oder immer wieder falsch oder gar nicht?
Für den ehemaligen und den heutigen Fachgruppenvorsitzenden der Fachgruppe Bild im Bayerischen Journalistenverband ist dieser Freitag, der 22. Mai, ein erschreckender Tag geworden.
Wieder hat sich die Fachgruppe die Zeit genommen, eine Tagesausgabe der Stammblätter von Tageszeitungen in Bayern auszuwerten, um festzustellen, ob die Namensnennung richtig erfolgt.
Auch großzügige Auslegungen, wie es zu erfolgen hat, halfen nichts.
Die Redaktionen zeigten wieder einmal, dass es ihnen nicht wichtig ist, diese Nennungen richtig zu vollziehen. Dabei wäre es einfach, es richtig zu machen, wie die eine oder andere Zeitung beweist.
Doch der überwiegende Teil beweist, dass ihnen die doch schon seit Jahren bekannte Kritik an ihrem Verhalten völlig egal ist.
Dabei geht es um mehr: Es geht um die Reputation der bildschaffenden Fotograf:innen, um ihre Urheberrechte und um Geld.
Ansprüche auf Ausschüttungen aus dem Verwertungsportal VG Bild können nicht zweifelsfrei bewiesen werden und somit verlieren die Schaffenden ihr Einkommen daraus.
Es geht um Stolz auf das eine oder andere Bild, das zeigt, was alles veröffentlicht wurde. Es geht bei den Verlagen aber auch um wirklich horrende Strafen, denn falsche Urheberrechtsbezeichnungen können empfindliche Nachforderungen der Bildschaffenden zur Folge haben. Deswegen ist es verwunderlich, dass dies in den Verlagen noch nicht angekommen ist. Die Verlage denken wohl immer noch: „Wenn er oder sie mich verklagt, dann wird er oder sie keinen Fuß mehr auf den Boden bekommen.”
AKTIVNEWS hat es jedoch bereits mehrfach praktiziert und jedes Mal ist der Verlag eingeknickt und hat die Nachforderung bezahlt. Anhand von AKTIVNEWS ist aber auch der Beweis gelungen, dass diese „Wir zerstören dich”-Taktik nicht aufgegangen ist. Viele Verlage, die mit dieser Methode agierten, wurden eines Besseren belehrt. Es zeigte sich, dass ein kleines Unternehmen, ein einzelner Journalist mit wenig Manpower, dennoch immer und immer wieder Akzente setzen kann. Die Zugriffszahlen sind im Vergleich zu den eingesetzten finanziellen Mitteln und dem Personal der Verlage exorbitant hoch. Diese generieren mit großen Mannschaften oft nur geringfügig mehr Zugriffe in den sozialen Medien. Es zeigte sich, dass so mancher Verlag das Feld der Anbieter verlassen hat, weil sie trotz ihres Verhaltens nicht mithalten konnten. Denn Journalismus ist mehr als nur Geld einnehmen, er ist die grundlegende Säule der freien Berichterstattung und für die Demokratie.
Gerade in Zeiten der sozialen Medien, in denen jeder Verlag, der glaubt, Content zu generieren, indem er Populismus und Populisten eine Bühne bietet, die Glaubwürdigkeit des Journalismus opfert.
Nicht das Zu-eigen-machen von faktenfernen, populistischen Hetzkampagnen stärkt das Vertrauen in die Demokratie, sondern der eigentliche Job des Journalismus.
Seid gespannt auf die Ergebnisse der Auswertungen. Im nächsten BJV Report gibt es einen umfangreichen Artikel mit allen Bewertungen.
Drei Bilder sind extra gekennzeichnet von Maria Goblirsch. Die restlichen von Dörfler-Farthofer.
